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Die Abhörstation des Heeres in Treuenbrietzen

Die Stadt Treuenbrietzen erhielt 1936 wieder eine Garnison. Auf dem Hellberg wurden die „Festen Funkempfangsstellen I und II“ des Heeres errichtet. Dafür wurden neue Dienstgebäude, Wohnhäuser und ein Antennenfeld gebaut. Ein Generator sorgte für die eigene Stromversorgung. Grund der Ansiedlung war die gute Anbindung an das Verstärkeramt der Reichspost in der Berlinerstrasse 8, dass auch als Grundnetzknoten diente und die guten funktechnischen Bedingungen auf dem Hellberg sowie die Nähe zu Berlin und Wünsdorf. Die Aufgabe war zunächst das Entschlüsseln internationaler Nachrichten, insbesondere des Funkverkehrs der in Berlin ansässigen ausländischen Vertretungen. Da das natürlich verboten war, unterlag die Arbeit des Empfängers größter Geheimhaltung. Die Station war daher als Wetterfunkempfangsstation legendiert. Sie war direkt die OKH in Wünsdorf unterstellt.

Die Anlage war die Funk-Horch-Leitstelle für alle derartigen Einrichtungen im Reich und für die Ost- und Südaufklärung. Sie war direkt dem Oberkommando des Heeres (OKH) in Wünsdorf unterstellt.

In der Horchstelle wurde rund um die Uhr in 6-Stunden-Schichten gearbeitet. Beschäftigt waren hier etwa 70 Mitarbeiter, darunter ca. 20 Zivilbeschäftigte. Im Verlauf des Krieges wurden immer mehr wehrfähige Männer für den Fronteinsatz abgezogen und durch weibliche Hilfskräfte ersetzt. Die Soldaten und Hilfskräfte war überwiegend in Bürgerquartieren in der Stadt untergebracht. Die Offiziere hatten ihre Dienstwohnungen in den noch heute erhaltenen Häusern am Hellberg und in der Neue-Hufen-Straße. Die Soldaten waren in das örtliche Geschehen in Form von Sportwettkämpfen und Kulturprogrammen eingebunden.Im Krieg war die Entschlüsselung von Funksprüchen von allen Fronten eine Aufgabe der Horchstelle. Die abgefangenen Funksprüche waren ausschließlich Morsezeichen. In Treuenbrietzen wurden keine Funksprüche dechiffriert, sondern nur aufgezeichnet und täglich mit einem Kurier an die Chiffierabteilung CHI beim OKW in Berlin gebracht. Es gab auch intensive Kontakte zum Nachrichtenbunker Zeppelin in Wünsdorf. So gibt es einen Bericht darüber, dass die Lageberichte des USA Militärattachés in Kairo während des Afrika-Feldzugs hier empfangen wurden. Diese wurden an den Nachrichtenbunker Zeppelin in Wünsdorf zum Entschlüsseln weitergeleitet und von dort zurück an Rommel in Afrika gesendet.

Abhörstation des Heeres

Ein Auszug aus einem Zeitungsbericht gefunden in der Stadtchronik vom 28.12.1943:

Die Soldaten des Hellbergs bieten am 20. Dezember im „Bürgergarten“ ein abendfüllendes Kabarettprogramm.

In ca. 1 km Entfernung wurde im Zarth ein gut getarnter UKW-Peilempfänger installiert. Damit versuchte man die ausländischen militärischen Funkstellen zu inventarisieren und in der Bewegung zu verfolgen, um laufend Schlussfolgerungen ziehen zu können. So wurden auch alle funktechnisch erreichbaren ausländischen Manöver verfolgt. Hinter den Torfteichen fand ich Anfang 2001 noch die Fundamente des UKW-Peilsenders (Fotos). Der originale Peilsender ist hinter dem Unteroffizier zu sehen. Vor ein paar Jahren sind bei einen Sturm aber mehrere Bäume darauf gefallen und verdecken ihn seitdem.

Peilsender

Nach dem Krieg wollte der Bürgermeister in jedem der Kasernengebäude 16 Zwei-Zimmerwohnungen einrichten um dort Flüchtlinge unterzubringen. Der Anteil der Flüchtlinge an der Wohnbevölkerung war in 1946 immerhin 72 %. Es herrschte große Wohnungsnot. Doch seine Bemühungen blieben erfolglos. Auf Anordnung der Bezirkskommandantur Brandenburg der GSSD vom 26.11.1946 wird die Kasernenanlage auf dem Hellberg gesprengt.  Heute sind nur die Eingangspfeiler und der Feuerlöschteich erhalten. Im Wald finden sich nur noch Fundamentreste. Die beiden Wohnhäuser der Offiziersfamilien am Ende der Sernowstraße blieben aber  erhalten.

Bis 1996 stand auf dem jetzigen Grundstück der Stadthalle eine grüne Baracke in der die Wehrmachtshelferinnen vom Hellberg untergebracht waren. Nach dem Krieg wurde sie zunächst als Schule, dann als Berufsschule und später von der POS Geschwister-Scholl für den Polytechnischen Unterricht genutzt. Übrigens mussten sich die Kinder im erstem Nachkriegswinter die Kohlen für Heizung der Klassenräume von zu Hause mitbringen.

Einige Jahre nach der Sprengung der Abhörstation suchten sowjetische Offiziere in Treuenbrietzen wieder einen Nachrichtenstützpunkt und beschlagnahmten dafür ein großes Gebäude in der Bismarkstrasse, in dem sie bis zu ihrem Abzug aus Deutschland blieben. Auch hier war der Grund das nahe Verstärkeramt der Deutschen Post in der Berliner Straße, durch das die Telefonverbindungen von Westberlin nach Bayern verliefen. Die Russen aber auch die Stasi nutzte das Amt zum Abhören von Telefongesprächen.

Kurzwellensender

Im Jahr 1943 wurde im Wald zwischen der Kläranlage und dem Verlorenen Wasser ein mit Rhombus-Antennen ausgestatteter Kurzwellensender aufgebaut. Das Gebäude dazu wurde „Fuchsbau“ genannt. Er hatte ein Verbindungskabel zum Verstärkeramt der Reichspost in der Berlinerstrasse 8 in Treuenbrietzen. Über das Verstärkeramt führten Kabel aus München und Frankfurt nach Berlin, worüber auch ausländische Nachrichten übermittelt wurden. Nach dem Krieg wurde die Anlage gesprengt. Außer einer Geländevertiefung ist davon heute nichts mehr zu sehen.

Kurzwellensender
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