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Schmiedewerkstatt August Reinhard

​Die Wurzeln des Betriebs reichen weit in das 19. Jahrhundert zurück. Im Herzen von Gräfenhainichen errichtete die Familie Reinhard ein stattliches Anwesen.

Das Herzstück bildete die Bauschlosserei und Schmiede. Angetrieben von der einsetzenden Industrialisierung stattete August Reinhard die Werkstatt ab etwa 1860 mit modernen Maschinen aus. Der Betrieb war darauf ausgelegt, sowohl die klassische, feurige Schmiedekunst (Hufbeschlag, Wagenbauten, Werkzeuge für die Landwirtschaft) als auch filigranere und bautechnische Schlosserarbeiten für die expandierende Stadt anzubieten. Neben dem harten, rußigem Handwerk in der Schmiede etablierte die Familie im vorderen Teil des Hauses einen Kolonialwarenladen.

Dieser Laden wurde von August Reinhard und seiner Tochter Marianne geführt. Hier trafen Handwerk und Handel direkt aufeinander: Während in der Werkstatt das Eisen glühte, verkaufte Marianne im Laden Waren des täglichen Bedarfs, Gewürze, Kaffee, Haushaltswaren und Erzeugnisse aus der eigenen Produktion. Der Laden entwickelte sich zu einem sozialen und wirtschaftlichen Knotenpunkt in Gräfenhainichen.

Über die Jahrzehnte hinweg blieb das Anwesen nahezu unverändert. Während ringsum die Moderne einzog, die DDR-Zeit die Wirtschaft veränderte und viele alte Schmieden modernisiert oder abgerissen wurden, blieb die Werkstatt der Familie Reinhard in einer Art Dornröschenschlaf konserviert. Die Maschinen aus der Zeit ab 1860, die Transmissionsriemen, die Werkzeuge der verschiedenen Gewerke und selbst die Einrichtung des Kolonialwarenladens blieben an Ort und Stelle. 

Heute wird das Erbe durch den Verein Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt August Reinhard e.V. gepflegt. Den Besuch kann ich allen historisch Interessierten Lesern empfehlen, auch wenn es natürlich kein "richtiger" Lost Place ist. Was die Ausstellung so besonders macht:

  • Die Schmiede: Das originale Zentrum des Betriebs, in dem heute noch bei Vorführungen das Feuer im Ofen brennt und der Geruch von Kohle und heißem Eisen in der Luft liegt.
  • Der Kolonialwarenladen: Er gilt in seiner historischen Ursprünglichkeit als absolut einzigartig in der Region und vermittelt den authentischen Eindruck des Handels um 1900.
  • Erweiterte Gewerke: Der Verein hat das Areal im Laufe der Jahre um weitere historische Werkstätten ergänzt. In über 15 Räumen und Ausstellungsbereichen sind heute auch die Arbeitswelten eines alten Schuhmachers, Schneiders, Uhrmachers und Chirurgen sowie eine historische Küche und eine "Gute Stube" zu sehen.
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