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 Wünsdorf - Die verbotene Stadt Teil 1

2. Haus der Offiziere
1. Entwicklung

Wünsdorf liegt ca. 30 km südlich von Berlin. Die Geschichte des Militärstandortes Zossen-Wünsdorf beginnt um 1910 es entstanden dort zahlreiche Kasernenanlagen: 1912 das Fernsprech- und Telegrafenamt und 1913 die Infanterieschule. Durch den Ersten Weltkrieg forciert – Wünsdorf war Sitz des Hauptquartiers der Reichswehr – entstand die Kaiserliche Turnanstalt, die von 1919 bis 1943 in die Heeressportschule überging (bekannt als „Haus der Offiziere“). Es folgten weitere Kasernenbauten, ein Lazarett und Pferdeställe.

Ab 1933 entwickelte sich Wünsdorf zu einem Zentrum in der Entwicklung der schnellen Truppen. Bereits 1931 war eine erste motorisierte Einheit der Reichswehr nach Wünsdorf verlegt worden, nun aber begann man, die Militäranlagen stark zu erweitern. 1933 wurde auf dem Truppenübungsplatz der erste Panzerverband der künftigen deutschen Wehrmacht, 1935 die 3. Panzer-Division in Wünsdorf neu aufgestellt sowie die Heereskraftfahrschule in den Ort verlegt. Im März 1935 bezog das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) sein Hauptquartier. Die bestehenden Militärsportanlagen wurden im Jahr 1936, im Vorfeld der Olympischen Spiele, für das Training der deutschen Mannschaft genutzt. Zur gleichen Zeit entstand die Militär-Badeanstalt. 

Ende der 1930er Jahre entstanden die Bunkeranlagen „Maybach I und II“ sowie die Nachrichtenzentrale („Zeppelin“) für das Oberkommando des Heeres, das sein Hauptquartier im August 1939 nach Zossen verlegte. Als Luftschutzmaßnahme begann zu dieser Zeit auch der Bau von oberirdischen Spitzbunkern.
Nach dem Sieg über den Nationalsozialismus übernahmen sowjetische Truppen die Militäranlagen. 1953 wurde Wünsdorf Sitz des militärischen Oberkommandos der „Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ (GSSD). Außer den etwa 2.700 Einwohnern lebten zu Spitzenzeiten 50.000 bis 75.000 sowjetische Männer, Frauen und Kinder dort. Für Bürger der DDR war das Areal Sperrgebiet. Innerhalb des umzäunten und ummauerten Geländes befanden sich bis 1994 zahlreiche sowjetische Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Geschäfte. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der Vereinigung Deutschlands organisierte das Oberkommando von Wünsdorf aus die Rückverlegung von insgesamt rund 380.000 Soldaten und 170.000 Zivilisten, sowie ihres Kriegsmaterials in die Sowjetunion.

Aus der Geisterstadt entwickelte sich seit Ende der 1990er Jahre die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf. In mehreren Antiquariaten können Lesehungrige aus Hunderttausenden von Büchern auswählen. Führungen erklären Interessierten die Funktionen der Bunkeranlagen. Der Geschichte des Militärstandortes nähern sich mehrere Ausstellungen, darunter eine zum sowjetischen Soldatenalltag mit Exponaten, die die Garnison hinterlassen hat.

1. Entwicklung des Standortes Wünsdorf

2. Das Haus der Offiziere - Die Heeressportschule

Das imposante Gebäudeensemble "Haus der Offiziere" wurde 1914 als kaiserliche Turnananstalt eingeweiht. In der Turnanstalt wurden vom 1. Oktober 1924 an die ersten Wehrsportlehrgänge im Rahmen der neu gegründeten Volkssportbewegung durchgeführt, die bis 1933 reichsweit durchgeführt wurden. Ab 1934 wurde es in die Heeressportschule Wünsdorf, die die sportlichen Geschicke des Heeres in Bezug auf den Leistungssport lenkte, erneut umfunktioniert. In den vier zum Areal gehörenden Gebäuden wurden verschiedene Sport- und Turnhallen, wie z.B. ein Fechtsaal, eine Schwimmhalle und eine Reithalle, errichtet. Für die Olympiade 1936 in Berlin wurden hier die deutschen Wettkämpfer vorbereitet, während alle anderen Nationen im Olympischen Dorf (Elstal) untergebracht waren. Es folgten weitere Kasernenbauten, ein Lazarett und Pferdeställe. Als dann immer mehr Lazarettfläche benötigt wurde, diente die Sportschule ab 1943 zur Behandlung verwundeter Soldaten.  Mit dem Einzug der Sowjets wurde aus der Sportschule das bedeutendste Kultur- und Vergnügungszentrum der in der DDR stationierten sowjetischen Truppen. Die großen Turnhallen wurden zu Konzert- und Kinosälen umgebaut und das ehemalige Offiziersspeisehaus und Kasino wurde von den Pioniereinheiten als eigenes Kulturzentrum mit Konzertsaal genutzt. 

Die Gebäude haben schloßartigen Charakter und sind noch relativ gut erhalten. Vor dem Hauptgebäude blickt noch immer stolzen Hauptes Genosse Lenin in die Natur. Es ist das größte Lenin-Denkmal in Deutschland.  Dahinter liegt das denkmalgeschützte leider sehr marode Diorama, ein Rundbau, der erst 1970 in den Komplex integriert wurde. Hier präsentierten die Sowjets ein Gemälde mit dem Titel „Erstürmung des Reichstages durch die Rote Armee“. Sie haben es aber mit nach Haus genommen, so dass in diesem Bau nichts mehr zu entdecken ist. Am besten fand ich die gut erhaltene Schwimmhalle. Ihr müsst das Gelände nicht illegal besuchen. Am Eingang sitzt ein netter Hausmeister, der Euch für 15 € und mit einem Lageplan in das Gelände lässt (Stand Juni 2020).

3. Die Infanterie-Schießschule Wünsdorf

3. ISchießschule

Die repräsentative Infanterie-Schießschule nahm 1913 ihren Dienstbetrieb auf. Die Schießschule bestand unter anderem aus Hauptwache, Stabsgebäude, 2 Unterkunftsgebäuden, Exerzierhaus, Reithalle und Pferdeställen, einem Lazarett und einem Unteroffizierscasino. Sie stellte mit Kriegsbeginn die Ausbildung ein und diente nun mit dem angeschlossenen Garnisonslazarett als Heimatlazarett und Genesungsheim der kaiserlichen Garde. Nach dem 1. Weltkrieg gab es in Wünsdorf nur in der ehemaligen Infanterie-Schießschule noch Militär, in der von 1921 bis 1932 das Ausbildungsbataillon des 9. Potsdamer Infanterieregimentes stationiert war. Die anderen Kasernenkomplexe standen leer. 1935 wurde hier die Panzerabwehrabteilung 39 aufgestellt. Im August 1943 endete die Stationierung der Panzertruppe in Wünsdorf mit der Verlegung nach Bergen-Hohne. Die Kasernen wurden für die Unterbringung von in Berlin ausgebombter Wehrmacht-Dienststellen benötigt. In der Zeit der sowjetischen Nutzung war in der ehemaligen Infanterie-Schießschule das 43. Wach- und Sicherstellungsregiment untergebracht. Es stellte den täglichen Dienstbetrieb des Oberkommandos sicher von der Bewachung über die Fahrzeuggestellung bis zu den Büro- und Wirtschaftsdiensten.

4.1. Maybach 1
4. Bunker

4. Bunker in Wünsdorf

4.1. Maybach 1

Wünsdorf war 2004 meine erste Bunkertour und hat meine Leidenschaft für die Erkundung verlassener Orte geweckt. Wir haben die vierstündige, lange Tour gewählt. Vorteil war, dass wir in Maybach 1 und 2 sowie Zeppelin auf einer Tour sehen konnten. Ende 2019 war ich nochmal offiziell im Zeppelin-Bunker der inzwischen auf allen Etagen zugänglich war und teilweise mit historischen Gegenständen ausgerüstet wurde. Das war sehr sehenswert. Hier könnt Ihr Eure Wunschtour in Wünsdorf vorab buchen.

Mit dem Bau der Bunkeranlage wurde 1937 begonnen und 1940 wurde das letzte Gebäude fertiggestellt. Maybach I war eine aus 12 Wohnhäusern mit künstlichen Dächern, Fenstern und Türen als Landhaussiedlung getarnte Bunkeranlage. Die Bunker waren durch einen Ringstollen miteinander verbunden. Durch den sogenannten Südstollen im Norden der Anlage bestand eine Verbindung mit dem Fernmeldebunker Zeppelin. Die Anlage war Teil der Kommandozentrale Zossen und wurde vom Großteil des Oberkommandos des Heeres (OKH) während des Zweiten Weltkriegs als Hauptquartier benutzt. Die von hier kontrollierten Panzerverbände fuhren mit Maybach-Motoren, darum die Bezeichnung. Nach dem Krieg sprengte die Rote Armee, entsprechend den alliierten Vereinbarungen, die Bunker. Doch der deutsche Stahlbeton blieb hartnäckig. Die oberirdischen Bunker sackten teilweise nur weg und konnten nicht vollständig zerstört werden. Irgendwann gaben die Russen auf. Die Bunker waren übrigens zur Tarnung wie Bauernhäuser gebaut. Außerdem sollten von den spitzen Dächern die Bomben abprallen und herunterfallen.

4.2. Maybach 2

4.2. Maybach 2

In der Nähe von Maybach 1 befinden sich auch die Überreste der noch stärker zerstörten baugleichen Anlage Maybach 2 mit ehemals 11 Häusern. Die Anlage wurde 1940 fertiggestellt. Die Anlage diente als Hauptquartier des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW). Nach den Sprengungen durch die Rote Armee, wurden Anfang der 50iger Jahre ein Großteil der angesprengten Häuser zur Gewinnung von Stahl abgerissen. Lediglich 3 Häuser, A17, A18 und A19, blieben in ihren Ruinen erhalten. Der Ringstollen wurde verschlossen, nur ein Zugang zu einem Teilstück blieb erhalten. Das Objekt wurde bis zum Abzug der GSSD als Übungsgelände und Müllkippe nach genutzt. Heute liegen die Reste der Anlage weitgehend unbeachtet brach.  Der Zugang war recht abenteuerlich.  Eine museale Nutzung dieses Geländes ist auch nicht mehr vorgesehen. Übrigens sind nicht die Bilder schief sondern die gesprengten Bunker sind zum Teil erheblich verschoben: